Das "Rote Ampel" - Prinzip
Ursache und Wirkung
Verschwörung...
- doch zu meinen Gunsten?
Es ist ein verregneter Montag-Morgen im November. Ich habe einen eigentlich sehr wichtigen Termin in der Stadt.
Leider bin ich, aus mir noch unerklärlichen Gründen, spät dran - aber guter Dinge, dass ich gerade noch so, naja, fast pünktlich zum Termin komme.
Ich mache mir, während ich von der Autobahn abfahre, Gedanken, wo ich ungefähr parken werde.
Und wo ich parken werde, falls dort kein Parkplatz frei sein sollte.
Hatte ich doch das letzte Mal ein Pech mit dieser nervigen Parkplatzsuche.
Vor allem nimmt das dann ja auch wieder einige Minuten in Anspruch, die ich heute so nicht zur Verfügung habe und ich deshalb hohe Erwartungen an mein persönliches Glück habe...
Ich bin in Gedanken auch bei vielen anderen Dingen die mich beschäftigen und einerseits erfreuen und andererseits weniger erfreuen.
Neben dem hohen Verkehrsaufkommen, und könnte ich tatsächlich glauben, dass manche Verkehrsteilnehmenden den Führerschein gewonnen haben, war sie dann auf einmal da:
der Feind eines jeden gestressten Autofahrenden: die rote Ampel!
Und genau heute ist sie gefühlt doppelt so lang rot.
Spätestens jetzt hätte ich die Möglichkeit in verschiedene Ego-Bewusstseins-Zustände oder Opferrollen zu verfallen und
mir einzureden, dass ich mich schäme, dass ich so ein Versager bin, und es nicht schaffe früher loszufahren;
Oder, dass es eh keinen Sinn hat, weil die Ampeln immer rot sind, wenn ich es eilig habe und ich den Termin sowieso verpassen werde.
Oder ich gehe volles Risiko, und werde dafür bei der nächsten Möglichkeit Vollgas geben, egal wie gefährlich es ist;
Oder könnte mir auch denken, warum diese Fahranfänger vor mir so schleichen? Meine Arbeit ist schließlich wichtiger als das unnötige Spazierenfahren von denen.
So oder so ähnliche Gedanken brachten mich,
wenn ich wirklich ehrlich
zu mir selbst bin,
aber noch nie weiter.
Deshalb entscheide ich mich bewusst für positive Gedanken:
Diese fangen damit an, dass ich mir sage, dass die Situation zwar ärgerlich ist, ich diese aber handhaben kann - ich rufe kurz an und sage Bescheid, dass es später wird, und bleibe ruhig.
Auch die Rote Ampel gehört eigentlich zum (Berufs-)Verkehr dazu - es regnet halt, das ändert aber auch nichts an meiner inneren Sicherheit.
Ich kann die Ampel nicht ändern. Es ist nun mal so, wie es ist. Jedenfalls bin ich froh und dankbar, dass ich in einem trockenen Auto sitze.
Ich kann die Wartezeit an der Ampel auch positiv nutzen - und die Argumente für den Termin nochmal gedanklich durchgehen.
Was ich nicht weiß, ist, ob die Wartezeit an der roten Ampel mich vor etwas Schlimmeren (Unfall oder ähnliches) bewahrt...?
Ja ich weiß, das ist eine gewagte Theorie, dennoch - so glaube ich - erfüllt die rote Ampel auch in dieser Hinsicht ihre Aufgabe - Danke!
Schlussendlich bleibt die Ampel das was sie ist: eine Einrichtung für die Sicherheit und Leichtigkeit zur Regelung des Verkehrs.
Nicht mehr und nicht weniger.
Nicht Feind und auch nicht Freund.
Nur: Ampel.
Dann kann ich in Ruhe und rückwirkend betrachten und bemerken, dass die rote Ampel (Symptom) mich direkt zu der Ursache (zu spät wegfahren) bringt.
Ich frage jetzt (auch für einen Freund): Was würde es bringen, hier das Symptom zu bekämpfen und mich darüber aufzuregen und zu ärgern?
Eigentlich, so wirkt es für mich, ist es in unserer Effizienz-verwöhnten Welt ja rational logisch, die Ursachen für Probleme zu betrachten und zu beheben.
Beispiel: Wenn im Verbrenner-Auto die Lampe für den Ölwechsel aufleuchtet (Symptom), machen wir eben diesen Ölwechsel (Ursache) - weil wir noch länger damit fahren und einen Motorschaden tunlichst vermeiden wollen. Weiters sind wir dankbar für die Ölkontrollleuchte - die uns automatisch, je nach Programmierung, ja erinnert!, dass der Ölwechsel fällig ist - Danke!
Hier wird das Abkleben oder gar das Abklemmen der Warnleuchte (Bekämpfen des Symptoms) zwar eine Weile Ruhe ver-schaffen, aber genau das Gegenteil bewirken, denn der Ölwechsel wird nicht gemacht und somit die Ursache nicht behoben.
...und die Frage ist dann nicht ob, sondern nur w a n n die (vorherig ausgeblendeten) Probleme eintreten...
(Ein junges Baujahr wird vermutlich länger aushalten, als ein schon in die Jahre gekommenes Baujahr... - woher kommt mir das nur bekannt vor...?)
Seit ich dieses Prinzip für mich entdeckt habe, bemerke und erfahre ich, dass ich das auf sehr viele Situationen, Ereignisse und Begegnungen anwenden und so für meinen eigenen inneren Frieden sorgen kann, und damit auch Verantwortung für mich selbst übernehme.
Ursache und Wirkung.
Ewige Dankbarkeit dafür.
